Musikverein Denzlingen e.V.

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"Hört Finke auf, ist für mich Schluss"

22. Dezember 2017 veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung

Verfasser: Markus Zimmermann

BZ-INTERVIEW mit dem Denzlinger Dirigenten Harald Aigeldinger, der seit 25 Jahren den Taktstock beim Musikverein schwingt.

 

 Foto: Markus Zimmermann

DENZLINGEN. Es sollte nur eine Interimslösung sein, doch die dauert mittlerweile 25 Jahre. Seit 1993 führt Harald Aigeldinger beim Hauptorchester des Denzlinger Musikvereins den Taktstock und so auch beim Stephanskonzert am 26. Dezember, dessen Programm auf dieses Jubiläum zugeschnitten ist. Mit dem Reutemer sprach Markus Zimmermann.

BZ: Fast ihr halbes Leben dirigieren Sie den Denzlinger Musikverein. Ist Musik Ihnen in die Wiege gelegt worden?
Aigeldinger: Ein bisschen schon, denn der Vater war in Reute schon im Musikverein. Als Jugendlicher war ich auch im Fußballverein, doch ab der C-Jugend war klar: Mit der Trompete klappt es besser als mit dem Ball.

BZ: Ein Leben lang Trompete – zu langweilig und deshalb der Griff nach dem Dirigentenstab?
Aigeldinger: Ganz und gar nicht, denn dass ich nicht im Orchester sitze, sondern vor ihm stehe, war Zufall. Am Erasmus-Gymnasium belegte ich die Leistungskurse Mathematik und Musik. Ein Freund riet mir, dass der Dirigentenkurs die ideale Vorbereitung für die Abiturprüfung sei, was sich dann auch bestätigt hat. 1985 übernahm ich die Leitung des Reuter Jugendorchesters. Und übrigens, seit 2010 spiele ich Tuba, das Instrument meines Vaters, von wegen ein Leben lang Trompete.

BZ: Wie kam es dann zum Dirigieren in Denzlingen?
Aigeldinger: Jürgen Nübling, der damalige Vorsitzende, bat Ende 1992, ob ich nicht "nur so bis Fasnacht" als Dirigent einspringen könne. Verlängert wurde das Engagement dann bis zum Bezirkskonzert im Mai, Juni 1993 und letztlich bis heute.

BZ: Erinnern Sie sich noch an das erste Stück, das Sie dirigierten?
Aigeldinger: Nein, das war irgendetwas mit Fasnacht. Sehr wohl jedoch noch an das erste Stephanskonzert 1993. Eines dieser Stücke werden wir jetzt auch wieder spielen. Das war mir fürs Jubiläum wichtig.

BZ: Wer stellt das Programm für diese Konzerte zusammen?
Aigeldinger: Das ist unterschiedlich. Meist haben wir ein Motto und wählen thematisch passende Werke. Dabei fließen meine Überlegungen und Ideen aus dem Kreis der Musiker zusammen.

BZ: Was ist bei der Programmgestaltung besonders wichtig?
Aigeldinger: Es muss passen und dabei meine ich, für das Publikum, das heterogen ist und entsprechend unterschiedliche Erwartungen hat. Aber auch für die Musiker, wobei ich die Zeit einkalkulieren muss, die zum Proben bleibt, als auch den Schwierigkeitsgrad der Stücke. Die Stücke dürfen nicht zu leicht sein, müssen Motivation sein, sich zu beweisen, dürfen aber auch nicht überfordern. Ein, zwei Werke sind immer dabei, bei denen wir an die Grenzen gehen. Wichtig ist auch Abwechslung, was wir seit Jahren mit Gesang machen und Stücken für Soloinstrumente.

BZ: Wie lange wird denn geprobt?
Aigeldinger: Seit der ersten Kulturwoche 2003 ist das unterschiedlich. Sind wir dort eingebunden, bleiben zwei Monate, ansonsten ein Monat mehr. Zugleich bietet die Kulturwoche die Möglichkeit, ein Projekt zu realisieren, das als Verein allein nie organisiert werden könnte. Für mich und die Musiker ist es wichtig, neben dem Musikverein-Alltag auch immer wieder anderes zu machen. So auch mit den Kirchenkonzerten, die für mich etwas ganz besonderes sind.

BZ: Bleiben da noch Wünsche des Dirigenten offen?
Aigeldinger: Naja, schön wäre auch einmal eine klassische Symphonie zu dirigieren, vielleicht ja eine Bläsersymphonie von Bruckner oder Mahler.

BZ: Haben Sie irgendwann ans Aufhören gedacht?
Aigeldinger: Ich prägte mal den Satz, wenn der Finke beim SC Freiburg aufhört, ist für mich auch Schluss. Seither hat der SC dreimal den Trainer gewechselt, ich habe schon den vierten Vorsitzenden beim Musikverein und bin immer noch da.

ZUR PERSON: Harald Aigeldinger

Der 51-Jährige stammt aus Denzlingens Nachbargemeinde Reute und lebt mit seiner Familie auch dort. Beruflich ist er am Rechenzentrum der Universitätsklinik Freiburg tätig. Musik ist das Hobby des Musical-Fans und Denzlinger Kulturpreisträgers 2015. Neben seinem Engagement beim Denzlinger Musikverein spielt er in Reute die Tuba, hilft dort gelegentlich am Dirigentenpult aus und ist Prüfer bei der Abnahme des Jungmusikerleistungsabzeichens.